Georgien 06.09.2025-13.09.2025
Tag 1
9.30 Uhr Abfahrt unserer Fahrgemeinschaft Richtung Prag. Unser Flug Prag-Istanbul Istanbul Tiflis verlief entspannt so kamen wir voller Vorfreude am Flughafen Tiflis an. Pater Michal von der katholischen Gemeinde hatte uns bereits dort zusammen mit dem Fahrer unseres Busses erwartet.
Gemeinsam fuhren wir dann in das Bildungshaus nach Tserowani unweit der Hauptstadt. Zu unserer großen Freude erwarteten uns dort bereits die Reisegruppe aus Marx und wir begrüßten bekannte und auch neue Gesichter unserer Partnergemeinde. Wir wurden mit einem reichen Abendessen bewirtet und sind am Ende des Tages oder besser am frühen Morgen gegen 3.00 Uhr müde ins Bett gefallen.
Im Gespräch beim Essen erfuhren wir, dass die Pilgergruppe aus Marx nicht so problemlos wie wir anreisen konnten. An der Grenze erlebte Pfarrer Marschner, dass es sehr im Ermessen der Grenzbeamten steht, ob sie jemand passieren lassen und welche zusätzliche „Kosten“ sie für ihr „Entgegenkommen“ erheben. Zum Glück konnten die mitreisenden Ordensschwestern so überzeugend auf die Beamten einreden, dass sie von ihren zusätzlichen Gebühren Abstand nahmen.
Tag 2
Nach einer sehr, sehr kurzen Nacht trafen wir uns zum gemeinsamen Frühstück um dann zum Sonntagsgottesdienst in die Peter und Paul Kirche zu fahren. Wir durften dort mit fünf Jungen und zwei Mädchen ihre Erste heilige Kommunion Feiern. Die sieben Kinder haben diesen besonderen Tag extra verschoben, um ihn zusammen mit der Heiligsprechung von Carlos Acutis zu begehen. Es war auch für uns ein sehr bewegender Moment. Den weiteren Tag verbrachten wir mit einem typisch georgischen Essen – Chatschapuri – eine pizzagroßer Käsefladen und einer ersten Erkundung der Stadt.
Tag 3
Etwas grau und regnerisch begann dieser Tag, aber da wir eine Weile im Bus unterwegs waren, störte uns das nicht besonders. Nach dem morgendlichen Gottesdienst in der Hauskapelle und dem Impuls zum Tagesheiligen, trafen wir uns nach dem Frühstück bei dem Reisebus. Ziel war Mzechta, die alte Hauptstadt Iberiens, wie Georgien von der Antike bis zum frühen Mittelalter genannt wurde. Die heilige Nino – apostelgleiche Erleuchterin Georgiens- wie sie genannt wird, hatte hier viele Jahre gewirkt und das Land christianisiert.
Besonders die Swetizchoweli-Kathedrale („Lebenspendende Säule“) aus dem 11. Jahrhundert mit ihrer fast mystischen Schönheit und den eindrucksvollen Ikonen hat einen tiefen Eindruck hinterlassen. Die berühmte Dreifaltigkeitsikone, die jetzt in der Tretjakow-Galerie hängt, hatte eigentlich hier ihren ursprünglichen Platz.
Ein Besuch der vielen Verkaufsstände regionaler Kunsthandwerker und Bauern war auch dabei, bevor wir zum Mittagessen in ein Restaurant fuhren und dort lernen mussten, wie man die berühmten Chinkali so isst, dass man nicht den ganzen Fleischsaft über seine Kleidung tropft. Anschließend fuhren wir mit dem Bus zur Klosteranlage von Schiomghwime, einer der bedeutendsten frühmittelalterlichen Zeugen georgischer Baukunst. Der Name bedeutet: Kloster des Schio. Schio war ein Eremit der dort gelebt haben soll.
Letzter Besichtigungspunkt für diesen Tag war das Dschwari (Kreuz-)Kloster. Dort soll Nino schon im 6. Jahrhundert ein Kreuz aufgestellt haben. Von dort hatten wir einen großartigen Blick auf die Berge des Kaukasus.
Zurück in Tserowani waren alle zwar etwas müde, aber nach dem Abendessen wieder soweit erholt, dass wir uns in dem großen Gemeinschaftsraum zum gegenseitigen Kennenlernen trafen. Die russische wie die deutsche Gruppe hatte Spielideen im Gepäck, die uns auf heitere Weise einander näherbrachten.
Tag 4
Der heutige Tag sollte recht lang werden, da allein die Busfahrt nach Kachetien 3 Stunden dauern sollte. Erstes Ziel war das Kloster Bodbe, das über der Grabstätte der Heiligen Nino errichtet wurde. An diesem wunderbar sommerlichen Tag, wirkte die Klosteranlage als wäre sie nicht in Georgien, sondern in der Toskana. In dem Klosterkomplex ist in den letzten Jahren eine neue Kirche gebaut worden jedoch vollkommen im traditionellen Stil.Einziger Missklang an diesem Ort war, dass unsere Ordensfrauen von den Orthodoxen Nonnen sehr ablehnend behandelt wurden, sie machten die Arme vor ihre Augen, um sie nicht sehen zu müssen. Ökumene hat hier leider keinen großen Stellenwert.
Mittagessen gab es an einem spektakulären Ort, ein Restaurant mit einer Terrasse, die weit über ein tiefes Tal ragte. Allerding war der Fußweg dahin abenteuerlich. Über eine wild aufgebaggerte Strasse stiegen wir von Steinblock zu Steinblock. Später trafen wir in einem kleinen Ort, mit Blick auf die Berge Dagestans, eine kleine katholische Gemeinde an und feierten dort die heilige Messe.
Zuletzt fuhren wir zu einem der größten georgischen Weinkeltereien und bekamen da eine sehr spannende und informative Führung durch die Weinkeller und Stollen, die bereits zu Sowjetzeiten von den Erbauern der Moskauer Metro tief in die Berge des Kaukasus getrieben wurden.
Am Ende konnten wir uns selbst vom Geschmack der Weine, die wie zu Jesu Zeiten, auf sehr archaische Weise gekeltert wurden, überzeugen. In Tonamphoren, die in die Erde eingegraben wurden reifte der Wein aus Trauben, die ohne Waschen hineingestampft werden und nur die natürlichen Hefen von der Oberfläche der Trauben nutzt. Dadurch ist der Geschmack intensiv, würzig und schwer. Es ist ein ganz anderer Geschmack, als wir ihn von unseren Weinsorten gewöhnt sind und nicht für jedermanns Gaumen. Dafür war der Tschatscha, ein Tresterschnaps ähnlich dem Grappa geradezu „umwerfend gut“.
Tag 5
Dieser Tag war dem Sightseeing und Shopping gewidmet. Unser sehr kundiger Begleiter Vadim, hat sehr viel, umfangreich und spannend zur Geschichte Tiflis und Georgiens erzählt. Danach gingen wir individuell auf Einkaufstour.
Zum Abend trafen wir uns an der modernen überdachten Friedensbrücke um dann gemeinsam zur Peter-und Paul Kirche zu gehen und mit Pater Michal Gottesdienst zu feiern. Anschließend lud er uns alle zum Abendessen in ein traditionelles georgisches Restaurant ein.
Tag 6
Heute verlassen wir das Bildungshaus mit seinem gastfreundlichen Verwalterpaar und steigen in die Busse Richtung Armenien. Schwester Anjuta, von den Marxer Eucharistieschwestern, hat uns in ihr Heimatdorf eingeladen. Eine Nacht werden wir dort in Privatquartieren übernachten und mit den Menschen in Kontakt kommen.
Auf der Fahrt dahin haben wir in Achalziche die Rabati-Festung besucht, ein beeindruckender Trutzbau. Etliche Kilometer später der nächste Halt bei der Motsameta-Kirche, die auf einer älteren Basilika steht in der die Märtyrer David und Konstantin ruhen sollen.
Endlich in dem armenischen Dorf angekommen, treffen wir uns mit den Menschen in der armenisch katholischen Kirche. Schwester Anjuta begrüßt Familie und Freunde, die sie sehr lange nicht gesehen hat und stellt uns den ortsansässigen Pfarrer vor. Er erzählt uns wie sein Weg vom Priesterseminar in Litauen bis nach Armenien war und wie er den anderen Ritus der Messe im armenischen Gebiet erlernen musste. Auch Schwester Anjuta erzählt wie ihre Kindheit und Jugend innerhalb der Gemeinde und den Aufgaben in der Kirche gewesen war.
Wir wurden für den nächsten Tag zum Gottesdienst eingeladen und anschließend in vier Gruppen zu jeweils zwei mit Frauen und zwei mit Männern eingeteilt und zu unseren Gastfamilien gefahren. Lustigerweise fand unsere Gruppe erst beim abendlichen Zusammensein heraus, dass der Fahrer unseres Autos ein Junge von 12 Jahren gewesen war. Die Sache mit dem Führerschein sieht man hier ganz entspannt.
Nachdem wir unser Gepäck abgestellt hatten ging es wieder hinaus. Dem Regen trotzend hatten die Gemeindemitglieder uns zu ihrem Grillplatz im Wald eingeladen, wo unter einem schützenden Dach ein reichhaltiges Angebot an Brot, Gemüse, Kräutern und Käse auf uns wartete. Über einer langen Kohlewanne brieten halbmeterlange Schaschlickspiese mit riesigen Fleischstücken dran. In einem Topf daneben kochten Lammfleischstücke. Vegetarier hatten jedenfalls schlechte Karten hier.
Nach einem langen Essen ging es wieder zurück in die Gastfamilien aber nicht, wie wir hofften, ins Bett. Die Männer hatten das Schaschlik essen zelebriert, die Frauen zu Hause erwarteten uns mit Tee und Kuchen. Wenn wir nicht die Gastgeber beleidigen wollten, mussten wir auch noch Kuchen essen. Dabei hatte ein Magen-Darm-Infekt einige von uns in seinen Klauen. Aber da mussten wir durch.
Die Menschen in dem Dorf lebten in sehr einfachen Verhältnissen. Die Strassen waren alle unbefestigt, die Gebäude zu großen Teilen renovierungsbedürftig und trotzdem haben sie so großzügig und liebevoll mit uns geteilt. Als Gastgeschenke hatten wir Annaberger Faltsterne mitgebracht und diese wurden von unseren Männern gleich aufgehängt und gezeigt, wie das mit der Beleuchtung geht.
Spät am Abend fielen wir endlich hundemüde und gefühlt 3kg schwerer ins Bett.
Tag 7
Nach dem Frühstück in den Gastfamilien fuhren wir zur Kirche und feierten mit dem Geistlichen eine Messe nach dem armenischen Ritus.
Es folgte eine sehr herzliche Verabschiedung von den Gemeindemitgliedern und wir stiegen wieder in die Busse zu unserem letzten gemeinsamen Tag.
Das heutige Tagesziel war die Höhlenstadt Wardsia mit dem Kloster aus dem 12. Jahrhundert. Durch einen Felsabbruch sind die Höhlen zum großen Teil sichtbar geworden. Jedoch leben in einem Teil auch wieder Mönche. Einst konnte diese Höhlenstadt bis zu 50000 Menschen in 3000 Wohnungen beherbergen. Wir haben einen großen Teil der Räume besichtigen können und die Kunst der Baumeister bewundert. Unterhalb der Höhlenstadt servierte Schwester Anjuta noch die Reste vom Grillabend und das reichte für die ganze Gruppe als Mittagsimbiss.
Hier mussten wir uns dann auch von der Pilgergruppe aus Marx verabschieden. Es waren intensive und emotionale gemeinsame Tage, auf denen wir uns besser kennengelernt haben, auch wenn die sprachlichen Hürden noch etwas schwierig sind. Aber das friedliche und wertschätzende Miteinander von Menschen aus verschiedenen Kulturen und Ländern war sehr beeindruckend.