Wiewohl am Folgetag der Bischof in unsere Pfarrei gekommen ist, um das Sakrament der Firmung zu spenden, haben sich am 1. Mai rund 50 Christen aufgemacht, um den traditionellen Pilgertag zu begehen.
Nach einer Andacht in der Herz-Jesu-Kirche, vorbereitet und gestaltet von Johanna Erhardt, Eva Kaufner-Marx, Elisabeth Münsterer-Klinghardt und an der Orgel Günter Kaluza, setzten sie sich zum dem St.-Joseph-Stift angeschlossenen Marienhospiz in Bewegung. Hier wurden die Pilger von der Pflegerischen Leiterin, Cindy Handrick, sowie Seelsorgerin Schwester M. Aurelia empfangen und durch die einladenden Räume geführt. Neben dem stationären Hospiz, das 2020 eröffnet worden ist, gehören dazu solche des im Herbst hinzugekommenen Tageshospizes. Nicht nur in Gemeinschafts-, Behandlungs- und Gesprächsräume wurden Blicke gewährt, sondern auch auf eine Terrasse sowie in eines der Einzelzimmer. Jährlich werden rund 120 Schwerkranke auf dem letzten Stück Lebensweg hier von einem Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen begleitet; 700 Personen fragen die Angebote nach. Nur ein Bruchteil kann die Hilfe, die über Hausärzte angebahnt werden muss, in Anspruch nehmen. Die Einrichtung ist die einzige ihrer Art in der Stadt, das Einzugsgebiet reicht bis Pirna. Die meisten, die einen Platz erhalten, seien – der Bürgerschaft der Stadt entsprechend – konfessionslos, berichtete Schwerster Aurelia. Nicht selten höre sie in Gesprächen Sätze wie: „Ich kann zwar nicht glauben, was Sie glauben. Aber bitte erzählen Sie davon!“ An einem Ort wie diesem, so wurde in manchem Gespräch deutlich, fällt vieles ab und fort, was jenseits der Mauern uns so teuer wie recht und billig ist. „Im Leben trägt eigentlich nur, was auch im Sterben trägt“, hat das Pfarrer Laurenz Tammer, der ein Stück des Pilgerwegs mitgegangen ist, vor Jahren in einer Predigt genannt.
Die dritte Station der von Martin Althaus und dem Ehepaar Jens Daniel und Barbara Schubert vorbereiteten Route, denen wie auch Frank Klappan und allen andern, die mitgewirkt haben, gedankt sei, war das Grab Caspar David Friedrichs auf dem Trinitatisfriedhof. 1815 sind erste Bestattungen auf dem als Seuchenfriedhof angelegten Gottesacker vorgenommen worden. Im Zuge der Napoleonischen Kriege kam es zu einer Typhusepidemie, für deren Opfer die vorhandenen Friedhöfe nicht ausreichten. Die bald erweiterte Anlage zeigt zudem den Wandel der Bestattungs- und Sepulkralkultur. Einst vielfältig geschmückte, repräsentative, anhand von Innschriften über Leben und Bekenntnis aussagekräftige Gräber (bei wohlhabenden Bürgern) mit Erdbestattungen sind sehr selten geworden. Heute lassen sich die meisten Menschen in Feuerbestattungen beisetzen, die Nachfahren möglichst wenig Aufwand bereiten sollen. Das Grab, gedacht auch als Versammlungsort einer Familie aus verstorbenen und lebenden Generationen, verliert an Bedeutung.
Der Weg zur nächsten Station war ein weiter: an die Sebastian-Bach-Straße in Dresden-Blasewitz, wo die Pilger in der sanierten lutherischen Heilig-Geist-Kirche von Pfarrer Christoph Herbst erwartet wurden. Diakon Daniel Frank, noch mit Firmvorbereitungen befasst, gesellte sich für diese Rast hinzu. Neben Einblicken in die Sanierung mit neuem Beleuchtungskonzept gab es solche zum Zusammenleben der Kirchgemeinde mit knapp 6000 Angehörigen, zur Profilierung der Kirchenorte mit verschiedenem Gepräge (neben „Heilig Geist“ die Versöhnungskirche an der Schandauer sowie die Bethlehemkirche an der Marienberger Straße). Dann wurde auf der Wiese hinter der Kirche gerastet – an Biertischen, auf Stühlen, im Gras. Das Wetter zeigte sich von bester Seite.
Nach der Pause ging es zur Neuapostolische Kirche an der Pirnaer Landstraße, zur fünften Station. Die Schar wurde vom Gemeindevorsteher, Evangelist Thomas Hartwig, sowie von Priester Matthias Doetz herzlich begrüßt. Beide gaben eine Einführung in die Geschichte der Glaubensgemeinschaft mit Wurzeln im 19. Jahrhundert, in das Gemeindeleben in Dresden und beantworteten Fragen. Wieder wurde gemeinsam gesungen – diesmal zwei Lieder aus dem neuapostolischen Gesangbuch.
In Kleinzschachwitz schließlich, auf der sechsten Station, empfingen Joachim und Barbara Wolf sowie Georg Zimmermann zu Kaffee und Kuchen. Herr Wolf berichtete dabei von seinen Erfahrungen als stellvertretender Leiter des örtlichen Nachtcafés für Wohnungslose. Gegen 17 Uhr endete der Tag mit einer Andacht.
Martin Althaus/Michael Kunze